Glaubwürdigkeit

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Montag, 26. September 2016

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Vor allem naturwissenschaftlich geprägte Menschen können dem “Gerede” über Nah-Todeserlebnisse (NTEs) nichts abgewinnen. Daher sei hier einiges über die Glaubwürdigkeit der Berichte und Untersuchungen zu NTEs gesagt.

1. NTEs werden durch andere Erfahrungsbereiche bestätigt.

2. Die Aussagen über außerkörperliche Erfahrungen (AKEs), welche NTEs begleiten, konnten bestätigt werden.

3. Einige Kernelemente der NTEs treten kulturunabhängig weltweit auf. Dies entkräftet zumindest das Argument, es handele sich bei NTEs nur um kulturgeprägte Phantasien.

4. Natürliche Erklärungen können nur Teile des Phänomens abdecken und bleiben daher unbefriedigend.

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1. Verbindung zu anderen Erfahrungsbereichen

Einige Kinder mit Spontanerinnerungen an ein früheres Leben haben ausgesagt, sie erinnerten sich an ihren Tod und die Zeit danach und auch an Ereignisse in einer Sphäre körperloser Wesen. Was diese Kinder erzählen, passt gut zu den o. g. Elementen einer Nah-Todeserfahrung, obwohl die Kinder kein Wissen über NTEs besitzen. Einige Aussagen über das dabei Gesehene konnten entweder als wahr erwiesen werden oder sie stimmten mit Träumen überein. Eine Zusammenstellung von “Jenseitsaussagen” der Kinder findet sich in meinem Buch “...früher, da war ich mal groß. Und. Indizienbeweise für ein Leben nach dem Tod und die Wiedergeburt”; ein Auszug auf der Seite “Jenseitsberichte”.

In Sterbeerlebnissen, die durch Rückführungen provoziert wurden, tauchen dieselben Elemente wie in NTEs auf (s. a. “Jenseitsberichte”. Außerdem ähneln sich solche provozierten Sterbeerlebnisse in verblüffender Weise untereinander.

Auch die Visionen Sterbender kurz vor ihrem (wirklich dann eingetretenen) Tod, die u.a. von Osis und Haraldsson (s. Literaturseite) im Kulturvergleich zwischen USA und Indien und von Morse und Perry (s. Literaturseiten) untersucht wurden, zeigen mit den NTEs verwandte Muster. Mehr dazu hier.

Medial vermittelte Durchgaben von Verstorbenen berichten von Nah-Todeserlebnissen.

Man findet viele Überschneidungen mit dem tibetanischen und ägyptischen Totenbuch oder dem Gilgamesch-Epos (literarisches Werk aus dem babylonischen Raum und eine der ältesten überlieferten literarischen Dichtungen).                                                           zurück zu Jenseitsberichte

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2. Nachprüfung der außerkörperlichen Erfahrungen (AKEs)

Der Anteil der Nah-Todeserlebnisse, der mit den außerkörperlichen Erfahrungen (AKEs) zu tun hat, kann z. T. nachgeprüft werden.

Eine der sorgfältigsten Untersuchungen stammt hierzu (neben Osis, Haraldsson, Morse, Ring u.a.) von dem amerikanischen Kardiologen Dr. Sabom. Er stand dem ersten Buch zum Thema NTEs (von Raymond Moody, 1977) eher ablehnend gegenüber und beschloss 1976, die Behauptungen durch eine wissenschaftliche Untersuchung nachzuprüfen. Er erwartete, zeigen zu können, dass die Beobachtungen, welche die bewusstlosen Patienten von ihrer Wiederbelebung machten, Phantasien oder Ausschmückungen von natürlichem Wissen entsprechen.

Als Kardiologe hatte er guten Zugang zu potentiellen Untersuchungskandidaten. Entgegen seiner Erwartung fand er eine Reihe von Fällen, in denen deren Beschreibungen der Vorgänge bei ihrer Wiederbelebung sehr ins Detail gingen und trotz der Bewusstlosigkeit mit dem realen Ablauf erstaunlich gut übereinstimmten. Er nahm nun an, dies müsse mit dem natürlichen Wissen der Patienten erklärbar sein. Um dies zu prüfen, bildete er eine Kontrollgruppe mit vergleichbarem Wissenshintergrund, aber ohne außerkörperliche Erfahrungen und ließ sie ihre Wiederbelebungsszene beschreiben. Dabei traten, wie zu erwarten, Fehler durch Unkenntnis oder Vorurteile auf, die die Patienten mit außerkörperlicher Erfahrung aber nicht gemacht hatten. Dies spricht für die Glaubwürdigkeit der Berichte von außerkörperlichen Erfahrungen.

In die gleiche Richtung weisen AKE-Berichte über Tatsachen oder Ereignissen außerhalb der sensorischen Reichweite, welche die bewusstlosen Patienten unmöglich auf natürliche Weise erfahren haben konnten. Ein Beispiel findet sich auf der Seite “Beispiele”.                                                                                                                                                                                zum Seitenanfang (Top)

Quelle:
Sabom, Michael, B. (1986) Erinnerung an den Tod/ Eine medizinische Untersuchung, Goldmann, München, ISBN: 3-442-11741-0
Moody, Raymond, A (1977, amerikanisches Original 1975) Leben nach dem Tod/ Die Erforschung einer unerklärten Erfahrung, Rowohlt, Hamburg,
ISBN: 3-498-04252-1
Rivas, Titus; Dirven, Anny; Smit, Rudolf H. (2016) The Self Does Not Die / Verified Paranormal Phenomena from Near-Death Experiences, IANDS Publ., Durham, NC, ISBN: 978-0-9975608-0-0


3. Kulturelle Unterschiede

Die Aussagen zu einer jenseitigen Welt sind prinzipiell nicht nachprüfbar. Sie wären als kulturgeprägte Phantasien einzustufen, wenn sie in ihrem Wesen von Patient zu Patient, von Zeit zu Zeit und von Kultur zu Kultur unterschiedlich ausfielen. Daher ist eine Betrachtung vor allem der kulturellen Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede von Nah-Todeserlebnissen (NTEs) von Bedeutung.

Leider müssen Untersuchungen dazu als noch vorläufig eingestuft werden, weil es bisher nur wenige Studien mit insgesamt nur ca. 300 Fällen in nicht-westlichen Ländern dazu gibt. Das vorläufige Ergebnis sieht folgendermaßen aus:

1. Die Begegnung mit Verstorbenen oder übernatürlichen Wesen kann als kulturübergreifend universell angesehen werden. Ebenso die
    Umgebung, in der sich der Patient zu befinden glaubte. Sie ähnelte stets dem kulturellen Umfeld, aus dem der Patient stammte.

2. Für außerkörperliche Erfahrungen (AKEs) kann keine definitive Aussage getroffen werden.

3. Die Lebensrückschau als “Kurzfilm” mit eigener Beurteilung kommt nur in den Hochkulturen des Westens, in Indien und China vor, nicht
    jedoch in wenig entwickelten Kulturen (Jäger, Sammler, Hirtenvölker).

4. Die Tunnelerfahrung findet man nur in den westlichen Ländern.

Einige Elemente sind also weltweit zu finden, andere nicht. Die Begegnung mit Verstorbenen oder übernatürlichen Wesen in einer gewohnten Umgebung ist damit natürlich nicht als real erwiesen, erhält aber eine Stütze. Man könnte die Universalität nur noch mit dem universellen Bedürfnis aller Sterbenden nach der Nähe zu Vertrauenspersonen erklären. Diese Modellvorstellung kann aber nicht erklären, warum auch Unbekannte und Personen angetroffen werden, von deren Tod der Patient noch nichts wissen konnte. Um dies abzudecken, müssen Zusatzannahmen gemacht werden, die das Modell verkomplizieren. Die einfachere Vorstellung ist es, der Darstellung der Patienten zu glauben.

Dagegen zeigen die Kulturunterschiede, dass eine Erklärung der betroffenen Phänomene auf rein biologisch-materieller Basis schwierig ist.

NTEs sind auch aus der Zeit vor 1975 (Moodys Buch) bekannt. Einige Grundelemente sind bei allen Personen zu finden, die ein NTE erlebt haben, andernfalls zählten sie nicht zur Gruppe dieser Personen mit einem Nah-Todeserlebnis.

Quelle:
Holden, J. M., ed; Greyson, Bruce; James, Debbie (2009) The Handbook of Near-Death Experiences/ Thirty Years of Investigation, Praeger  Publ., ABC-Clio; Santa Barbara, Calif., Denver, Col., Oxford, England, ISBN: 978-0-313-35864-7

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4. Natürliche Erklärungen

Die unerklärlichen Elemente eines Nah-Todeserlebnisses (NTE) als paranormal zu akzeptieren, hieße, unser Weltbild als unvollständig zu betrachten. Vor allem Wissenschaftler können mit “Übersinnlichem” “nicht leben” und versuchen daher mit allen Mitteln, eine natürliche Erklärung zu propagieren. Daher werden hier im Telegrammstil die wichtigsten Einwende bzw. Erklärungsangebote gelistet und bewertet:

Physiologische (körperlich-materielle) Erklärungen:

Elektrische Stimulation des Gehirns: Bei Epilepsie können manchmal Déjà-vu-Erlebnisse, das Gefühl, den Körper verlassen zu haben oder Halluzinationen auftreten. In diesen seltenen Fällen findet man aber nur Teilaspekte, nicht das volle Spektrum einer NTE - auch nicht verteilt auf viele Epilepsiefälle.

Da Epilepsie auf krankhafte elektrische Entladungen im Gehirn zurückgeht, kann man vermuten, dass künstliche elektrische Stimulation des Gehirns vergleichbare Wirkung zeigt. Dies wurde auch mit Elektroden im Gehirn und mit elektromagnetischer Stimulation von außen untersucht. Auch hier wurde nur Ansatzweise das erzeugt, was man als NTE bezeichnet - nie voll ausgeprägte Elemente einer NTE. Selbst wenn man so ein NTE auslösen könnte, erklärte dies nicht, wie realitätsbezogene außerkörperliche Erfahrungen (AKEs), ein Lebensfilm oder Begegnungen ausschließlich mit Verstorbenen zustande kommen können.

Sauerstoffmangel im Gehirn: Er führt zu Verwirrung und Gedächtnisstörungen, nicht zu nachprüfbar richtigen, wundersamen Erinnerungen. NTEs kommen auch in Situationen ohne Sauerstoffmangel vor (Verkehrsunfall, Depression). Sauerstoffmangel kann nicht die besondere Klarheit des Denkens, der Wahrnehmung, das Gefühl extremer Realität, hoher Wachheit, von Bewusstsein und der guten, lang anhaltenden Erinnerung erklären, von welchen die Patienten berichten.

Endorphin (körpereigenes Morphin, das bei Stress ausgeschüttet wird): Es kann Halluzinationen auslösen, Schmerzen stillen und Glücksgefühle hervorrufen. Die Wirkung hält Stunden an, während ein NTE meist nur einige Minuten andauert. Halluzinationen sind wirklichkeitsfremd und führen nicht zu erstaunlichen sensorischen Leistungen. Die Phänomene, die sich mit Sauerstoffmangel verbinden, stimmen nicht mit allen Aspekten der NTEs zusammen: Nicht mit außerkörperlichen Erfahrungen (AKEs), nicht mit der Begegnung mit Verstorbenen, nicht mit der Lebensrückschau und nicht mit den nachhaltigen Auswirkungen einer NTE.

Kohlendioxid-Überschuss: Er kann ein AKE- und Glücksgefühl auslösen und selten einmal das Bild von Licht am Ende eines Tunnels bewirken. Andere Elemente einer NTE kommen aber nicht vor: Die Lebensrückschau, die Begegnung mit Verstorbenen, die starke Veränderung der Lebenseinstellung nach einem NTE.

Hörfähigkeit während der Bewusstlosigkeit und Ausschmücken des Gehörten: Keine Studie konnte bisher nachweisen, dass dies überhaupt möglich ist. Siehe auch bei “Nachprüfungen”.

Psychodelika (Rauschmittel): Von den bewusstseinserweiternden Drogen kommt dem Dimethyltryptamin (DMT) eine besondere Bedeutung zu. Es wird auch vom Körper produziert, kommt im Gehirn vor, ist dort sehr kurzlebig und wird besonders in Stresssituationen ausgeschüttet. Es kann alle NTE-typischen Symptome auslösen. Man kann daher vermuten, dass DMT bei NTEs eine Rolle spielt, indem es die natürliche Blockade aufhebt, die NTE-Erlebnisse normalerweise verhindert. Damit wäre aber nur der “Startknopf” gefunden, keine Erklärung für unerklärliche Vorgänge, wie in den realitätsbezogenen AKEs, für Begegnungen ausschließlich mit Verstorbenen, für das Ablaufen eines Lebensfilms oder die Sichtungen auch von Geburt an blinder Menschen.

Psychologische Erklärungen:

Todesangst erzeugt Strategien zur Schmerzvermeidung und bewirkt Wunschvorstellungen: Die Flucht vor der beängstigenden Realität eines Traumas wird als Dissoziation bezeichnet, wenn die normalerweise integrierten Funktionen von Identität, Gedächtnis und Bewusstsein auseinander brechen. Bei der großen Mehrzahl der Patienten mit einer NTE liegt aber keine Neigung zur Dissoziation vor. Für Fälle von NTE ohne einen lebensbedrohlichen Zustand kann diese Erklärung nicht angewendet werden. Die Schutzmechanismen und Wunschvorstellungen können auch nicht erklären, wie die Realität unter Narkose oder im Koma bei einem AKE wahrgenommen werden kann. Zudem widerspricht das NTE oft den Glaubensüberzeugungen der Patienten und viele Patienten hatten auch kein Wissen über NTEs und deren Elemente.

Weitere Erklärungsangebote: Betrug, Geburtserinnerung, Halluzination und Träume werden noch als Erklärungen angeführt, sind aber nicht sehr einleuchtend und ebenfalls unschwer widerlegbar. Daher wird nicht weiter darauf eingegangen.
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Quelle (mit Links zu Literaturseiten):
Lommel, Pim van (2009) Endloses Bewusstsein/ Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung, Patmos, Düsseldorf, S. 119ff,
ISBN: 978-3-491-36022-8
Kelly, Edward F./ Kelly Emily Williams/ Grabtree, Adam/ Gauld, Alan/ Grosso, Michael/ Greyson, Bruce (2007) Irreducible Mind/ Toward a Psychology for the 21st Century, Rowman & Littlefield Pub., Lanham, Maryland, USA, S. 374ff, ISBN: 0-7425-4792-2